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Herzlich Willkommen auf den Seiten der Familie Graf.
Index:
Worum geht's Das Konzept Und funktioniert's? Steuerliche Aspekte Kritische Anmerkungen Empfehlungen zum "Null-Energie-Haus"
Worum gehts?
Herzlich Willkommen - auf diesen Seiten wird das Konzept und die Erfahrungen rund um die Haustechnik in unserem 2006 neu errichteten Haus vorgestellt. Speziell geht es um die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Familie Graf aus Chemnitz sowie um die damit in energetischer Einheit geplante Sole-Wasser-Wärmepumpe der Firma VAILLANT, die mit einer thermischen Solaranlage kombiniert ist.
Das Konzept
Das Haus wurde im Jahr 2006 von der Firma Ambientahaus in Chemnitz konzipiert und in Bauträgerschaft errichtet.
Das von AMBIENTA als NULL-ENERGIE-HAUS beworbene Konzept basiert auf dem Einsatz hochdämmender Materialien für den Baukörper (KfW 40 Haus) sowie der Haustechnik als Kombination einer Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Tiefenbohrung sowie einer solarthermischen- und einer Photovoltaikanlage. Dabei ist das Gesamtsystem so dimensioniert, dass die PV-Anlage im Jahresverlauf mindestens so viel Strom erzeugt, wie die Wärmepumpe für Heizung und Warmwasser verbraucht – daher NULL-ENERGIE-HAUS.
Und? Funktioniert's?
JA-tut es!

Trotz des in der Austrocknungsphase üblichen Mehrverbrauchs an Energie und einer anfangs für einige Wochen schlecht eingestellten Anlage war die Energiebillanz bereits nach 7 Monaten ausgeglichen.
Einen Vergleich der Zählerstände finden Sie hier.
Einen Vergleich verschiedener Bauweisen(mit und ohne Solar), der sich an unserm Bau orientiert finden Sie hier.
Selbst wenn man den sehr milden Winter 2006/2007 in Rechnung stellt ergibt sich auf Jahressicht ein Plus von mindestens 400 kWh (ca. 10 %) durch die Solaranlage - also eher ein – PLUS-ENERGIE-HAUS.
In den Sommermonaten übernimmt die thermische Solaranlage fast 100% der Warmwasserbereitung. Speziell in der Übergangszeit im Frühjahr und Herbst unterstützt die Anlage die Heizung, wenn eine Heizungsunterstützung installiert wurde.
Steuerliche Aspekte der PV-Anlage*
Wenn man den Preis für eine Solaranlage hört und diesen zu den zu finanzierenden Beträgen für den Hausbau hinzurechnet, ist man zunächst geneigt, sich diese „Zusatzkosten“ nicht anzutun. Dabei spielen zum Einen gesellschaftliche Ressentiments (wie ‚PV-Anlagen lohnen sich nie’) eine Rolle. Zum Anderen wissen viele Leute in Deutschland nicht über die steuerlichen Möglichkeiten bescheid. Genau diese Möglichkeiten machen aber aus dem ursprünglichen „Nullsummenspiel“ eine finanziell profitable Angelegenheit.

Wichtig ist, das der Betreiber der Anlage einen (Kleinunternehmer-)Gewerbebetrieb anmeldet und auf die Nichtverpflichtung zum Umsatzsteuerausweis verzichtet. Dies berechtigt dann zum Vorsteuerabzug – sprich man bekommt auf Antrag die MwSt zurück. Dies muss man auch dem abnehmenden Energieversorger mitteilen, der dann zusätzlich zu den Vergütungen auch die MwSt mit überweist. In regelmäßigen Abständen muss man dann die Umsatzsteuer beim FA anmelden und überweisen oder diese wird automatisch wieder abgebucht.

Ein weiterer Effekt ist, dass der Gesetzgeber dem Betreiber einer PV-Anlage das Recht einräumt im Jahr der Anschaffung eine Sonderabschreibung in Höhe von 40% auf die gesamten Anschaffungskosten der Anlage vorzunehmen – dies führt zu erheblichen Verlusten im Ersten Jahr, welche gegen das Restliche Familieneinkommen gerechnet werden kann. Unter Umständen zahlt man in diesem Jahr keine zumindest aber erheblich weniger Einkommensteuer.
Beispielrechnung (ca. 4,0 kWp) auf die ersten 5 Jahre:
Angenommene Kosten der Anlage(brutto):
darin Mwst
Netto-Kosten der Anlage
25.000,00 €
  3.991,59 € (-)

21.008,41 €
Steuerrückerstattung durch Sonderabschreibung
(40 % im Jahr der Anschaffung bei ca 80.000 €
Gesamtjahreseinkommen)

5.500,00 € (-)
Solarerträge in 5 Jahren (mindestens 3200 kWh/a bei 48 ct Vergütung) Entspricht ca. 1536,00 € /a

7.680,00 € (-)


Restschulden nach 5 Jahren (ohne Zinsen)

7.828,41 €

Diese Rechnung kann im Einzelfall auch erheblich günstiger ausfallen, da hier mit minimalen Ertragswerten (800 kwh/kWp) gerechnet wurde – gerade in der Region Chemnitz liegen die Durchschnittswerte der letzen Jahrzehnte bei 950 kWh/kWp.
Kritische Anmerkungen
Zwar wird die Solarstromerzeugung staatlich gefördert – man muss jedoch aus rein energetischer Sicht sagen, dass die Gesamtbillanz einer solchen Anlage über Ihre gesamte Laufzeit eher schlecht dasteht. So dauert es knapp 10 Jahre ehe die für die Produktion der Systembestandteile eingesetzte Energie wieder erzeugt wurde.

Auch haben die PV-Anlagen im gesamten Energieverbund erhebliche Nachteile – einer der größten Nachteile ist wohl die Mangelnde Steuerbarkeit und die geringe kurzfristige regionale Prognosesicherheit. Diese liegt deutlich unter der von z.B. Windkraftanlagen.

Aus rein energetischer Sicht lohnen sich solche Anlagen derzeit nur in Ländern mit einer hohen Anzahl von Sonnenstunden und dort wo Klimaanlagen tagsüber Spitzenlasten erzeugen (wie z.B. in Kalifornien). Sollten die Wirkungsgrade der Anlagen deutlich steigen oder der notwendige Energieeinsatz bei der Produktion deutlich abnehmen so könnte sich die energetische Rechnung in Zukunft auch erheblich günstiger darstellen. Weitere Informationen zum Thema Photovoltaik sind hier zu finden.

Dagegen ist aus energetischer Sicht der Einsatz von solarthermischen Modulen immer lohnenswert – aus rein finanzieller Sicht macht dieser in Verbindung mit einer Wärmepumpe wenig Sinn, da die Heizkosten mit einer WP sehr niedrig sind – z.B.: wenn der (wiederum geförderte) Strom der Wärmepumpe im Jahr z.B. 600 € kostet (das ist hoch angesetzt) – und angenommen 1/3 davon durch die Solaranlage ersetzt werden kann (auch das ist hoch angesetzt), so kann man sich ausrechnen wie lange es dauert, bis die eingesparten 200 € die ca. 5000 € (2 Module) teure Solaranlage amortisieren – nämlich mind. 25 Jahre ohne Zinsen.

Empfehlungen zum Null-Energie-Haus
Wer Interesse hat dieses oder ein ähnliches Konzept umzusetzen, sollte einige Dinge beachten - wie bei allen Dingen gibt es zu den unbestreitbaren Vorteilen natürlich auch einige Einschränkungen, mit denen man leben können muss.
So benötigt die PV-Anlage für diesen Haustyp beträchtlichen Platz (bei uns ca.35-40 m²) auf dem Dach - Bauherren, die unbedingt Gaupen haben wollen, können diese unter Umständen nicht bekommen, da der Platz für die PV-Anlage dann ggf. nicht ausreicht - Gleiches gilt für Dachflächenfenster. Eine ausgefallene Architektur mit vielen Vorsprüngen und anderen Merkmalen, die die Wärmeabgabefläche des Hauses erhöhen, verstärkt dieses Problem noch, da bei einem Haus, welches viel Energie benötigt auch die PV-Anlage größer sein muss.
Auch der Einsatz einer Wärmepumpe bringt systembedingt einige Änderungen mit sich - so kann eine Wärmepumpe (soll sie effizient arbeiten) keine hohen Temperaturen erzeugen - schon bei der Erzeugung von Warmwasser mit maximal 55 - 60 °C sinkt die Effektivität (Arbeitszahl nur noch 2-3 statt 4). Die Temperatur in den Heizkreisläufen beträgt normalerweise nicht mehr als 30-35°C. Der Einsatz von Heizkörpern ist in Verbindung mit einer Wärmepumpe also nicht sinnvoll - eine Fußboden- oder Wandheizung (Flächenheizung) ist notwendig um die Vorteile der WP nutzen zu können.
Außerdem übernehmen moderne Wärmepumpen das Energiemanagement im Haus - ggf. vorhandenen Temperaturwahl-Regler sind maximal dazu da, einen raum komplett kalt zu lassen - stellt man die Regler auf eine gewünschte Temperatur ein, so bekommt die Wärmepumpe plötzlich das Signal, dass große Mengen an Wärme benötigt werden - da der Raum aber nicht das Haus (für das die WP ausgelegt ist) ist, ist dieser Mangel schnell behoben. Die Pumpe muss wieder abschalten.Die Prognoseprogramme versagen dann und die Wärmepumpe beginnt zu "takten" (ein und ausschalten in kurzen Abständen).
Um diese Energiefressende und auch "materialmordende" Verhalten zu vermeiden sollte die gewünschte Temperatur an der WP eingestellt werden und die Regler in allen warmen Räumen im Haus auf Maximum gedreht (also geöffnet) werden.
Daran erkennt man aber den entscheidenen Nachteil der WP gegenüber z.B. einer klassischen Brennwerttherme - die WP ist sehr träge. Ein weiterer Nachteil ist, dass des nicht sinnvoll möglich ist, beim Betrieb einer WP ein den verschiedenen Räumen sehr unterschiedliche Temperaturen zu haben - z.B. im Bad 30°C und in der Stube 24°C und sonst 20° - das wäre technisch machbar energetisch jedoch schlecht und somit teurer.
*Ich bin kein Steuerberater - alle hier gemachten Angaben sind Erfahrungswerte, die Meinung des Autors bzw. durch Hörensagen erworben